Diese Woche war und ist heftig. Heftig heiß. Mein Thermometer zeigt 36 Grad an, morgen soll es bis 38 rauf gehen. Hitzewelle. Puh.
Daher habe ich diese Woche in meiner Praxis immer wieder denselben Satz gehört, wie eigentlich immer, wenn die Temperaturen steigen:
„Bei der Hitze kann ich einfach nichts essen.“
Und weißt du was? Das kann absolut sein.
Hitze verändert unser Essverhalten. Das ist total ok. Manche Menschen haben weniger Hunger, andere merken kaum einen Unterschied. Wieder andere essen tagsüber fast nichts – und wundern sich am Abend, warum sie plötzlich die halbe Küche leer räumen.
Das Problem ist nämlich oft nicht die Hitze.
Sondern das, was danach passiert. Wir haben im Kopf, dass bei Hitze ja nur Wassermelonen-Feta-Salat geht und man ja nichts ‚Richtiges‘ essen kann. Und daran halten wir uns.
„Ich snacke halt den ganzen Tag.“
Viele erzählen mir dann:
„Ich esse tagsüber nur ein bisschen Obst.“
„Hier mal eine Handvoll Nüsse.“
„Da ein Eis.“
„Noch ein paar Salzstangen.“
Daran ist erst einmal überhaupt nichts falsch. Snacks sind Essen. Punkt.
Nur machen sie häufig nicht das, was eine richtige Mahlzeit leisten kann: Sie sättigen oft nicht langfristig.
Und irgendwann meldet sich der Körper doch. Vielleicht erst am Abend. Vielleicht ganz plötzlich. Vielleicht mit einem Hunger, der sich kaum noch ignorieren lässt.
Dann werden Dinge gegessen, auf die man vermeintlich „keine Kontrolle“ mehr hat. Danach kommen die Gedanken:
„Warum konnte ich mich nicht zusammenreißen?“
„Ich hätte den ganzen Tag einfach weniger snacken sollen.“
„Jetzt habe ich alles kaputt gemacht.“
Dabei war das eigentliche Problem oft gar nicht das Snacken.
Sondern dass der Körper den ganzen Tag versucht hat, irgendwie an Energie zu kommen.
Auch bei 36 Grad braucht dein Körper Energie.
Ja, dein Energiebedarf kann sich bei großer Hitze etwas verändern. Vielleicht hast du weniger Appetit auf schwere Gerichte. Aber dein Körper arbeitet trotzdem.
Er hält deine Körpertemperatur konstant, dein Herz schlägt, dein Gehirn denkt, deine Muskeln bewegen dich durch den Tag.
All das kostet Energie.
Deshalb ist die Frage nicht:
„Wie schaffe ich es, möglichst wenig zu essen?“
Sondern eher:
„Wie kann ich meinen Körper auch bei Hitze gut versorgen?“
Es gibt keine Sommer-Regeln.
Vielleicht tut dir bei Hitze eine große Mahlzeit mittags gar nicht gut.
Vielleicht sind drei kleinere Mahlzeiten angenehmer.
Vielleicht liebst du Salate.
Vielleicht möchtest du lieber ein belegtes Brot, kalte Nudeln oder Kartoffeln mit Kräuterquark.
Vielleicht hast du Lust auf Obst – und danach trotzdem noch Hunger auf etwas Herzhaftes.
Alles völlig in Ordnung.
Anstatt dich an irgendwelchen Sommer-Ernährungsregeln zu orientieren, beobachte lieber dich selbst:
- Worauf habe ich gerade wirklich Lust?
- Was macht mich angenehm satt?
- Wie viele Mahlzeiten tun mir heute gut?
- Welche Lebensmittel fühlen sich bei der Hitze gut an?
- Und wann meldet sich mein Hunger tatsächlich?
Dein Körper ist kein Kalender.
Nur weil Sommer ist, muss dein Hunger nicht verschwinden.
Und nur weil andere bei 36 Grad „den ganzen Tag nichts runterbekommen“, bedeutet das nicht, dass dein Körper genauso funktionieren muss.
Das Problem ist oft nicht die Hitze. Sondern dass wir versuchen, unseren Hunger an die Außentemperatur anzupassen und an Regeln, die dann offenbar gelten – statt auf unseren Körper zu hören.
Vielleicht braucht deiner ein Eis.
Vielleicht eine Wassermelone.
Vielleicht aber auch Pasta.
Und manchmal eben alles davon.
Denn dein Körper interessiert sich herzlich wenig für Sommertrends oder Diätregeln. Er möchte einfach nur zuverlässig versorgt werden.
Und genau das darfst du ihm auch geben.
